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3 Gründe, warum PR-Expertinnen und -Experten zur Gamescom sollten

Der Blick über den Tellerrand – er fehlt bei vielen Unternehmen und ihren PR-Expertinnen und -Experten. Ab und zu gibt es nach der Lektüre eines spannenden Artikels oder in Kommunikationsseminaren Denkanstöße zu Zielgruppen und kreativen Ideen. Aber schnell sind diese wieder vergessen. Anschließend geht es weiter wie gehabt: die Sicht des Unternehmens ist bestimmend, jene der LeserInnen, NutzerInnen oder KundInnen weicht in den Hintergrund zurück.

Um diese Unternehmensblase zu verlassen, besuche ich mindestens einmal pro Jahr eine Veranstaltung, die mir helfen soll, meinen Blick zu weiten. Dieses Jahr stand die europaweit größte Spielmesse Gamescom in Köln auf dem Programm. Ich wollte die GenerationZ, sozusagen die Kaufkraft von morgen, kennenlernen. Drei wichtige Erkenntnisse möchte ich teilen.

Digitalisierung wird gelebt

Eines vorweg, ich will nicht sagen, man müsse jeden digitalen Trend mitmachen. Im Gegenteil, oft machen Unternehmen irgendwie alles, aber mehr schlecht als recht. Es gibt klare Anzeichen dafür, dass die Rolle von PR-Expertinnen und -Experten immer strategischer wird, dass gerade die Fülle der Informationen, die jeden Tag auf Mediennutzende einwirken, langfristige intelligente Ansätze unabdingbar machen. Mal ‘ne Instagram Kampagne reicht halt nicht. Dennoch: die Digitalisierung muss immer mitgedacht werden. Während die Generation Ü-30 noch Messen kennt mit schicken bunten Lageplänen aus Papier, stellten die Gamescom-Veranstalter konsequent nur ihre App zur Verfügung. Print spielt überhaupt keine Rolle mehr. Die Kaufkraft von morgen wächst mit mobilen Devices auf. Punkt.

Interaktion ist alles

Die Gamescom mit ihrer extrem jungen Fangemeinde veranschaulicht, was es bedeutet, wenn man durch und durch digital aufwächst. Wenn man mit Devices nicht einfach nur konsumiert, sondern mit ihnen und durch sie kommuniziert. Getanzt wird nicht mehr (nur) analog mit Freund oder Freundin, sondern vor dem Bildschirm. Spiele werden nicht einfach gespielt, sondern man nimmt verschiedene Rollen ein, von Krieger bis Elfe und identifiziert sich mit ihnen. Kurzum, es wird auf vielen Ebenen interagiert. Aber nicht so, wie wir es kennen. Aussagekräftiges Beispiel, wenngleich nicht aus dem Gaming-Bereich, ist TikTok, eine erfolgreiche Anwendung bei Kindern und Jugendlichen, bei der Action gefordert wird. Das, was wir Ü-30erInnen früher im Darstellenden Spiel auf die „olle“ Bühne der Musikschule brachten, wird zuhause oder mit Freunden kreiert und millionenfach geteilt. Und während wir noch über Online-Werbung oder Bewegt-Bild reden und wie es gelingen kann, junge Zielgruppen zu erreichen, deutet sich an, dass z. B. Werbung, die diesen Interaktionsgedanken unberücksichtigt lässt, zukünftig überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird.

Alles wiederholt sich

Das ist wahrscheinlich der tröstlichste Gedanke für viele Kommunikatorinnen und Kommunikatoren der Generation Ü-30. Sich mit anderen Formaten auseinanderzusetzen, heißt nämlich wie gesagt nicht, den Grundgedanken der PR zu verlieren: der Aufbau von Reputation und langfristigen Beziehungen. Das wird meines Erachtens in Zukunft über die Exzellenz von Unternehmen entscheiden und der entscheidende Wettbewerbsvorteil sein. Alter Wein in neuen Schläuchen könnte man sagen. Auf der Gamescom sprach ich mit vielen gefragten Gaming und Esports-PR Agenturen. Und stellte fest, dass es eigentlich dasselbe wie vor zehn bis 15 Jahren in der Berliner Startup Szene ist: ziemlich chaotisch, obwohl schon Milliarden gescheffelt werden. Unternehmen und ihre spielebegeisterten jungen KommunikatorInnen bewegen sich in der Blase. So werden beispielsweise beim Thema Esports häufig lediglich die Gaming- und Esports-Medien bedient, obwohl diese Sportart mit all ihren spannenden Hintergründen zu Big Data und Wetten prädestiniert wäre für breitere Medien, z. B. im Bereich Wirtschaft. Aber diesen Blick haben die hippen Agenturen in der Branche oft nicht. Sie kennen jedes Spiel und vergessen die für JournalistInnen und BloggerInnen so reizvollen Hintergründe. Das, was es spannend macht. Nicht nur für mich.

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